Wie alles einmal angefangen hat
Naturwissenschaftliche Forschung hat in Thüringen Tradition, seit im 16. Jahrhundert die Universität Jena gegründet wurde. Technologischen Ruhm erwarb sich die Region insbesondere nach 1846, als Carl Zeiß seine erste Werkstätte in Jena gründete und gemeinsam mit Otto Schott und Ernst Abbe die Grundlage für eine weltweit bekannte optische und feinmechanische Industrie legte. Seither sind Gläser, Linsen, Mikroskope, Kameras und wissenschaftliche Instrumente aus Jena auf der ganzen Welt ein Begriff.
Im besten Sinne bilden Jenas Traditionen auch heute das Fundament für die Wirtschaft der Region: Optoelektronische Industrie (insbesondere Geräte- und Instrumentenbau), Glasindustrie und Medizintechnik sind als Hauptbranchen im internationalen Wettbewerb sichtbar. Die Pharmazeutische Industrie (Standort Jenapharm/Schering AG) dagegen ist zwar präsent, aber nicht dominant. Wir verzeichnen, das sei angemerkt, einen Mangel an „großen“ Unternehmen der Biotechnologie, in denen die vollständige Wertschöpfungskette abgebildet ist und damit vor allem auch regionale F & E-Entscheidungskompetenz. Im Angebotsspektrum sind Dienstleistungen und Systemlösungen bisher nicht dominierend.
Das Konzept des Kompetenznetzes »BioInstrumente Jena« wurde Mitte der 1990er Jahre gemeinsam von Akteuren aus Wirtschaft und Wissenschaft erarbeitet. Dabei wurden die regionalen Stärken fokussiert und die folgenden Kompetenzfelder und Anwendungsbereiche ermittelt:
→ Geräte, Automatisierung, Miniaturisierung und Sensorik
→ zelluläre & molekulare Technologien
→ individual-orientierte Medizin und Diagnostik
→ Biomaterialien und BioInterfaces
→ BioInformatik
→ ganzheitliche Aus- und Weiterbildung
Und wie es weiter gehen wird
Der Markt für Bioinstrumente ist global und sehr dynamisch, d. h. die Produktzyklen sind extrem kurz. Zudem hat sich die Biotechnologie-Industrie seit Anfang der 90er Jahre weltweit sehr stark verändert. Ausgelöst wurde diese Dynamik durch die Entschlüsselung des menschlichen Genoms, aber auch durch die Aufklärung des Erbguts von Nutzpflanzen und Tieren, Bakterien usw. Diese Fortschritte brachten zahlreiche neue Anwendungsfelder mit sich.
Die Genomentschlüsselung eröffnete beispielsweise Wege zur personalisierten Medizin, die genetische und phänotypische Besonderheiten eines Patienten berücksichtigt. Gefragt sind dafür schon heute Instrumente und Lösungen, mit deren Hilfe das Genom von ganzen Populationen und einzelnen Individuen gescreent, analysiert, typisiert und verglichen werden kann. Dieser Trend zur personalisierten Medizin steht für das Ende der »Blockbuster-Pharmazie« und läutet eine neue Ära der Diagnostik ein. In der nahen Zukunft wird es kein Medikament mehr geben, das ohne ein diagnostisches Testkit verabreicht wird, so dass jeder Kranke oder potenzielle Anwender seine persönliche Response und Prädisposition bestimmen kann, bevor er einen Wirkstoff zu sich nimmt.
Kommerzielle Anwender bevorzugen aus diesen Gründen heute hoch automatisierte, integrierte Lösungen, die alle Aufgaben von der Probenaufbereitung bis zur Ausgabe der Ergebnisse bewältigen. Die Darstellung und Veranschaulichung von Befunden aus hoch komplexen Datensätzen und deren Beurteilung stellen hier völlig neuartige Anforderungen. Damit gewinnen Systemlösungen an Bedeutung, die insbesondere auch Bioinformatik und Telematik mit anbieten können. Zunehmend gefragt sind auch modulare Lösungen, die in bestehende Systeme integriert und schrittweise – nach Bedarf – ausgebaut werden können.


